Unwort des Jahres 2025 lautet "Sondervermögen" - Jury kritisiert Irreführung
Das Unwort des Jahres 2025 lautet "Sondervermögen". Mit dem Wort würden Tatsachen verschleiert, teilte die Jury der sprachkritischen Aktion am Dienstag im hessischen Marburg zur Begründung mit. Demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme würden zudem unterminiert. Die Jury kritisierte eine "irreführende euphemistische" Bedeutung des Worts und eine "manipulative Wirkung".
Der Ausdruck habe 2025 die politischen Debatten über Staatsverschuldung geprägt. Im Alltagsgebrauch werde unter "Sondervermögen" eine spezielle Eigentumsmenge verstanden, die vom Gesamtvermögen abgetrennt sei. Jedoch stamme der Begriff ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache. Im Fachdiskurs über den Staatshaushalt sei ein Sondervermögen ein sogenannter Nebenhaushalt. Dieser werde zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet und sei mit einer Schuldenaufnahme verbunden.
Die Nutzung des verwaltungstechnischen Ausdrucks habe sich im öffentlichen Diskurs verselbstständigt. In Debatten über politische Maßnahmen richte er sich an alle Menschen. "Viele von ihnen sind jedoch nicht mit der administrativen Spezialbedeutung vertraut und orientieren sich an der Alltagsbedeutung", kritisierte die Jury. Durch diese Diskrepanz rücke die "irreführende euphemistische Bedeutung" des Worts in den Vordergrund.
"Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist - die Aufnahme von Schulden", hieß es weiter zur Begründung. Verständlichkeit und Aufrichtigkeit würden mit Blick auf die Schuldenaufnahme vermieden.
Auf Platz zwei der Unworte folgt "Zustromungsbegrenzungsgesetz". Der Begriff konnotiere Zuwanderung als Bedrohung, kritisierte die Jury. Bezeichnungen aus der Wassermetaphorik, die sich auf Migration beziehen, seien seit den 50er Jahren in Gebrauch. Als Beispiel nannte die Jury "Flüchtlingsflut" und "Asylantenwelle". Geflüchtete verschwänden hinter einem physikalischen Prozess. Sie würden dadurch entmenschlicht, ihr individuelles Schicksal werde ausgeblendet. Diese Diskriminierung werde in Form eines Gesetzes institutionalisiert.
Der diesjährige Gastjuror, der Journalist Ronen Steinke, wählte "Umsiedlung" als sein persönliches Unwort des Jahres. Bei dem Begriff gehe es darum, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. "Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen", kritisierte Steinke. Eine "Umsiedlung" mit vorgehaltener Waffe sei eine Vertreibung. Es sei kein Angebot, sondern ein Zwang.
Die Jury hatte den Angaben zufolge insgesamt 2631 Einsendungen mit Vorschlägen erhalten. Dabei seien 553 verschiedene Ausdrücke vorgeschlagen worden, von denen etwa 70 die Kriterien eines Unworts erfüllt hätten. Unter den häufigsten Einsendungen waren unter anderem "Babyboomer", "Brandmauer", "Deal" und "Drecksarbeit".
Seit 1991 wählen Fachleute das Unwort des Jahres, das nach ihrer Auffassung gegen das Prinzip der Menschenwürde verstößt, in irreführender Weise etwas Negatives beschönigt oder diskriminiert. Im vergangenen Jahr wurde der Begriff "biodeutsch" zum Unwort des Jahres gekürt.
(A.Laurent--LPdF)