Strack-Zimmermann geht auf Distanz zu FDP-Chef Dürr
Nach dem Wahldebakel für die FDP in Baden-Württemberg ist Präsidiumsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf Distanz zu Parteichef Christian Dürr gegangen. Dürr habe "in schwierigster Lage Verantwortung übernommen", sagte die Europapolitikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). Personaldebatten ließen sich aber "nach solchen Niederlagen nicht einfach wegmoderieren". Die FDP scheiterte bei der Landtagswahl in ihrem Stammland Baden-Württemberg an der Fünf-Prozent-Hürde.
Die FDP müsse "offen und ernsthaft darüber sprechen, wie sie sich organisatorisch und personell aufstellt", sagte Strack-Zimmermann. Wichtig sei aber vor allem die inhaltliche Klärung. "Wir müssen wieder klar zeigen, wofür wir stehen. Die Menschen erwarten Lösungen und sichtbare Politik und nicht nur Kritik an dem, was andere machen." Liberalismus bedeute wirtschaftliche Stärke, Innovation, Sicherheit und individuelle Freiheit. "Wir müssen überzeugend erklären, dass genau diese Politik Wohlstand schafft", forderte die Verteidigungspolitikerin aus dem EU-Parlament.
Die Frage, ob sie selbst die FDP führen wolle, beantwortete Strack-Zimmermann ausweichend. "Es geht nicht um persönliche Ambitionen. Es geht darum, die FDP gemeinsam wieder stärker zu machen." Sie werde ihren Teil dazu beitragen, "so wie viele andere auch".
Eine Rückkehr des früheren Parteichefs Christian Lindner kann sich Strack-Zimmermann nicht vorstellen. Lindner habe die FDP viele Jahre geprägt. "Dafür gebührt ihm Respekt", sagte sie. "Parteien müssen aber nach vorne schauen."
Der Chef der Jungen Liberalen, Finn Flebbe, mahnte ebenfalls personelle Konsequenzen in der Bundespartei an. "Dieses Ergebnis illustriert einmal mehr: Nach der Bundestagswahl hat es keinen wirklichen Neuanfang gegeben, die FDP ist unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle stagniert", sagte Flebbe dem "Spiegel". "Zur Hälfte der Amtszeit des FDP-Bundesvorstands fällt das Halbjahreszeugnis deshalb ungenügend aus."
Flebbe forderte die Parteispitze auf, rasch Lehren zu ziehen: "Jetzt ist die Zeit, sich alte Zöpfe abzuschneiden. Nicht morgen, nicht irgendwann, sondern jetzt."
Passend dazu will FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner nach einer verlorenen Wette Wort halten und sich ihre Haare abrasieren. "Liberale stehen zu ihrem Wort - auch in einer Niederlage", sagte Büttner der "Rheinischen Post" (online/Dienstagsausgabe). "Genauso entschlossen, wie wir der Gegenentwurf zu Stillstand und Pessimismus sind, halte ich auch Wort."
Büttner hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, sie werde sich die Haare abrasieren, sollte die FDP den Wiedereinzug in den Landtag von Baden-Württemberg nicht schaffen.
(N.Lambert--LPdF)