Trotz Hitze: Zehntausende feiern Versammlungsfreiheit bei Pride Parade in Budapest
Bunt, fröhlich und stolz: In Budapest haben zehntausende Menschen der Hitze getrotzt und an der diesjährigen Pride Parade teilgenommen - der ersten seit der Abwahl des rechtsnationalistischen Regierungschefs Viktor Orban. Viele der Teilnehmenden, darunter vor allem junge Menschen, schwenkten am Samstag kleine Fähnchen oder große Regenbogenbanner.
Laut einem Journalisten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort lag die Teilnehmerzahl zwar unter der vom Vorjahr, als mehr als 200.000 Menschen teilgenommen hatten. Doch sei die Menge größer als in den Jahren vor 2025 gewesen.
Die Veranstaltung für die Rechte sexueller Minderheiten fand trotz der hohen Temperaturen statt, die in der ungarischen Hauptstadt bei 38 Grad Celsius lagen. Die Organisatoren hatten aber besonders gefährdete Menschen aufgerufen, zuhause zu bleiben und die Parade im Internet zu verfolgen.
Zu den Teilnehmenden gehörte die 18-jährige Petra Toth, die mit ihrer Freundin aus dem Süden Ungarns angereist war. Die Lage für die LGBTQ-Community "verbessert sich vor allem aufgrund des Regierungswechsels immer weiter", sagte sie AFP. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.
Orbans Regierung hatte die Demonstration in Budapest im vergangenen Jahr unter anderem mit Verweis auf ein Anti-LGBTQ-Gesetz aus dem Jahr 2021 untersagt. 2025 wurde das Gesetz verschärft. Unter dem Grünen-Bürgermeister Karacsony, einem Gegner Orbans, wurde die Demonstration dennoch ausgerichtet. Trotz Verbots nahmen daran mehr als 200.000 Menschen teil - deutlich mehr als in den Jahren zuvor, als sich etwa 35.000 Menschen an der Demonstration beteiligt hatten.
Im Januar wurde deshalb Anklage gegen Karacsony erhoben. Anfang Juni ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage jedoch fallen. Im April hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass die ungarischen Anti-LGBTQ-Gesetze gegen die EU-Grundfreiheiten verstießen.
Ungarns neuer konservativer pro-europäischer Ministerpräsident Peter Magyar, der Orban im Mai nach 16 Jahren als Regierungschef ablöste, hat sich zwar immer wieder für Gleichberechtigung und Versammlungsfreiheit ausgesprochen. Allerdings hat er bislang weder die Pride-Parade unterstützt noch Schritte unternommen, um die unter Orban in Kraft getretenen Anti-LGBTQ-Gesetze zu streichen.
Während seines Wahlkampfs hatte Magyar es vermieden, das Thema LGBTQ-Rechte anzusprechen. Seit seiner Wahl betont er jedoch, dass seine Regierung den Menschen nicht vorschreiben werde, wie sie zu leben hätten.
"Wir haben deutlich gemacht, dass unserer Ansicht nach jeder frei ist, zu lieben, wen er will, und mit wem er will zu leben, solange er nicht gegen das Gesetz verstößt", erklärte Magyar Anfang Juni auf die Frage nach dem Recht auf Eheschließung und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. "Wenn der Wunsch besteht, dass wir diese gesellschaftlich und politisch sensiblen Themen ansprechen, sind wir offen für eine Debatte darüber", fügte er hinzu.
(H.Duplantier--LPdF)